Pressemitteilung des Verband Baubiologie: „Referentenentwurf des Gebäude-Energie-Gesetz (GEG) ohne Vision“

Der Verband Baubiologie versteht sich als unumgänglicher Partner für gesunde und nachhaltige Wohn- und Lebensräume unter Berücksichtigung baubiologischer Kriterien und ist enttäuscht über den Referenten-Entwurf zum Gebäude-Energie-Gesetz 2018.

Nach Einschätzung des 1. Vorsitzenden Ulrich Bauer handelt es sich hier um kein richtungsweisendes Papier, sondern nur um eine Festschreibung des Status quo. Mit dem im Entwurf vorliegenden Gebäude-Energie-Gesetz (GEG) wird die Chance vergeben, die notwendigen Weichenstellungen hin zu einem CO2 neutralen Gebäudebestand zu stellen. Die Forderung vieler Experten, auch des Verband Baubiologie, wenigstens die Emission von CO2 bei der Gebäudeherstellung zu berücksichtigen, wurde übergangen. Um die Herstellungsenergien bei der Errichtung von Gebäuden nachzuweisen, sind heute umfängliche Datenbanken vorhanden und eine Ökobilanz problemlos zu erstellen. Der Verband Baubiologie vertritt die Auffassung, dass es nicht sinnvoll ist, einfach nur die Dämmstoffstärken zu erhöhen. Das zusätzliche Energieeinsparpotential nimmt mit Vergrößerung der Dämmstärke überproportional ab. Somit sind sehr hohe Dämmschichten unwirtschaftlich und keineswegs ökologisch sinnvoll! Der bisherige Effizienzhaus-55-Standard ist völlig ausreichend, insbesondere vor dem Hintergrund, dass in die Gesamtenergiebilanz eines solchen Gebäudes, über die gesamte Nutzungszeit betrachtet, der Energieaufwand für Heizung und Warmwasser mit höchstens 50% einfließt. Baubiologe Bauer erläutert hierzu: “Die Herstellungsenergien summieren sich auf 30% der Gesamtenergieaufwandes eines Gebäudes, bei einem Passivhaus sogar auf über 50%.“ Schon heute ist es jedoch möglich, Gebäude mit geringem Primärenergieaufwand herzustellen. Um die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen, müsste vorwiegend eine Rohstoffwende eingeläutet werden. Das Gebäude-Energie-Gesetz werde auf Jahre die bestimmende Norm für die zu erreichenden Klimaschutzziele sein, so Bauer.

Bauer, der selber Architekt ökologisch gebauter Häuser ist, fordert: „Die Gesellschaft und vor allem die Bauwirtschaft muss wegkommen von den konventionellen Baustoffen, die häufig mit hohen Herstellungsenergien behaftet sind, hin zum höheren Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen. In einer Studie der Ruhruniversität Bochum wird beispielsweise nachgewiesen, dass in Deutschland eine erhebliche Substitution von konventionellen Baustoffen mit nachwachsenden Rohstoffen ohne Raubbau an unseren Wäldern möglich ist.“ Der Bausektor trage in erheblichem Maße zur CO2-Emmision bei, so dass dieser Schritt zwingend notwendig sei. „Gerade im Hinblick auf die Erreichung der notwendigen Klimaziele wäre es in jedem Falle sinnvoll, einen der Hauptverursacher von CO2 zu regulieren. Und dabei geht es nicht einmal um irgendeinen Verzicht, der evtl. Arbeitsplätze kosten würde. Der Umstieg auf CO2-sparende oder sogar CO2-neutrale Bauweisen würde wahrscheinlich sogar für zusätzliche und hoch qualifizierte Arbeitsplätze in der Bauwirtschaft sorgen,“ appelliert Bauer.

„Der Verband Baubiologie fordert die politischen Akteure auf, das Gebäude-Energie-Gesetz dahingehend zu verändern, die Rahmenbedingungen für einen klimaneutralen Gebäudebestand stärker zu betonen und zu präzisieren, so dass eine Zukunft am Bau mit niedrigem CO2-Ausstoß möglich wird. Hierzu ist es notwendig den Primärenergiebedarf nicht nur während der Nutzungszeit zu betrachten, sondern mindestens auch den der Herstellung und noch besser auch den der Entsorgung,“ so Bauer abschließend.

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Autor: Ulrich Bauer (Architekt, Baubiologe IBN und Vorstand des Verband Baubiologie e.V.)

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