Am 02. und 03. September 2026 fand in Berlin das Strahlenschutzgespräch Radon des Bundesamtes für Strahlenschutz statt. Auch Mitglieder des Verband Baubiologie sowie unsere Vorstandsvorsitzende Pamela Jentner waren vor Ort und nutzten die Gelegenheit, sich über aktuelle Entwicklungen im Radonschutz zu informieren und mit Kollegen und Kolleginnen auszutauschen.
Die Veranstaltung war mit rund 120 Teilnehmern und Teilnehmerinnen auch heuer wieder sehr gut besucht. Neben zahlreichen interessanten Vorträgen boten vor allem die Pausen Gelegenheit für Gespräche, fachlichen Austausch und Diskussionen über die aktuellen Herausforderungen im Radonschutz.
Im Folgenden möchten wir einige der Themen und Neuigkeiten vorstellen, die auf der Veranstaltung präsentiert und anschließend angeregt diskutiert wurden:
- Neuerungen 2027 in Deutschland
In Deutschland wird es voraussichtlich 2027 ein neues Strahlenschutzgesetz geben. Die Auszüge aus dem momentanen Entwurf wurden vorgestellt. - Neues im beruflichen Strahlenschutz
Für Messungen im beruflichen Strahlenschutz ist es nun möglich, die Messung auf jene Zeiten zu beschränken, in denen der Arbeitsplatz tatsächlich zur Verfügung steht. Außerdem wurde der Dosiskonversionsfaktor angepasst: 1 mSv entspricht 0,15 MBq h/m³. - Radon im Strahlenschutzregister
Eine Auswertung des Strahlenschutzregisters zeigt, dass im Jahr 2025 0,1 % der strahlenschutzüberwachten Personen aufgrund einer Radonexposition überwacht wurden. Interessant ist dabei, dass die mittlere effektive Jahresdosis dieser Personen mit 2,5 mSv/a deutlich höher lag als bei den übrigen strahlenschutzüberwachten Personen. - Blick zurück auf die Wismut-Bergwerke
Wie schwierig historische Daten manchmal auszuwerten sind, zeigte eine vorgestellte Berechnung zur beruflich bedingten Radonexposition von Wismut-Bergwerksarbeitern. Auf Basis historischer Aufzeichnungen der Radonkonzentrationen in den Bergwerken wurde versucht, die Exposition während des gesamten Arbeitslebens abzuschätzen. Die vorhandenen Aufzeichnungen unterschieden sich dabei teilweise erheblich in Qualität und Detaillierungsgrad. - ProZES hilft bei der Bewertung von Berufskrankheiten
Die vom Helmholtz-Zentrum München entwickelte Software ProZES ermöglicht es, die Zusammenhangswahrscheinlichkeit zwischen einer Erkrankung und einer Strahlenexposition zu berechnen. Eine solche Berechnung kann für die Anerkennung einer Erkrankung als Berufskrankheit von Bedeutung sein. - Radonschutz im Gebäudebestand
Ein weiterer Vortrag widmete sich dem Entwurf des WTA-Merkblatts 6-23 „Radonschutz im Gebäudebestand“. Das Thema ist auch in unserer AG Radon bereits intensiv diskutiert worden. Vorgestellt wurden neben den Inhalten des Merkblatts auch der Hintergrund und der Entstehungsprozess. - Wenn auch Baustoffe eine Rolle spielen
An einem Praxisbeispiel wurde deutlich, dass unter bestimmten Bedingungen auch die Exhalation von Baustoffen zur Radonbelastung beitragen kann. In solchen Fällen ist eine differenzierte Messung von Radon und Thoron notwendig. Besonders interessant war dabei die Erkenntnis, dass Bewohner und Bewohnerinnen historischer Häuser gerade das besondere Flair traditioneller Baumaterialien schätzen können – selbst dann, wenn diese, wie beispielsweise Meißner Granit, aus strahlenschutztechnischer Sicht ungünstig sind. - Empfehlung für einen Leitwert
Auch der Ausschuss für Innenraumrichtwerte hat sich mit dem Thema Radon beschäftigt und einen Leitwert von 140 Bq/m³ empfohlen. Dieser Wert entspricht ungefähr dem 95. Perzentil der Radonbelastung in Deutschland. - Radonschutz in Bergwerken und Schaubergwerken
Ein weiterer Vortrag nahm den Strahlenschutz in Bergwerken in den Blick – sowohl in aktiven als auch in Schaubergwerken und stillgelegten Bergwerken. Dabei zeigte sich, dass die effektiven Dosen für Beschäftigte in aktiven Bergwerken im Allgemeinen niedriger sind als in Schaubergwerken. - Radon im urbanen Raum
Mit dem Einfluss verschiedener Faktoren auf die Radonbelastung in Gebäuden im urbanen Raum beschäftigt sich ein Forschungsvorhaben von Herrn Dr. Kemski. Untersucht werden unter anderem Grundwasser, teilweise ehemalige Bebauung, Bodenversiegelung, Verkehr sowie Ver- und Entsorgungsleitungen. - Ein Blick über die Grenze nach Italien
Luca Verdi berichtete über aktuelle Entwicklungen beim Radonschutz in Südtirol und allgemein in Italien. Damit gab es auch interessante Einblicke, wie mit dem Thema Radon in unserem Nachbarland umgegangen wird. - Wie bekannt ist Radon in der Bevölkerung?
Eine Studie der AGES zum Radonbewusstsein der Allgemeinbevölkerung zeigt: Der Bekanntheitsgrad der gesundheitlichen Gefahren durch Radon hat sich in den vergangenen Jahren zwar deutlich verbessert. Trotzdem ist Radon nach wie vor ein eher wenig bekanntes Thema. Auch wenn sich die Studie auf die österreichische Bevölkerung bezieht, ist vermutlich davon auszugehen, dass die Situation in Deutschland ähnlich ist. - Neue Zahlen zu Radon und Thoron
Auch der UNSCEAR Report 2024 beschäftigt sich mit Radon und Thoron. Die weltweite mittlere Jahresdosis aus Radon und Thoron wird darin nun mit 1,8 mSv angegeben. Das sind 40 % mehr als noch im Report von 2008. Besonders auffällig ist die Neubewertung von Thoron im Innenraum: Mit 0,34 mSv wird die entsprechende Dosis ungefähr dreimal so hoch eingeschätzt wie in früheren Reports. - Radon in der Außenluft
Zum Abschluss noch ein Blick auf eine neue Studie zur Radonkonzentration in der Außenluft. Gemessen wurde in einer Höhe von 1,5 m. Die Ergebnisse bestätigen eine vergleichbare Studie aus dem Jahr 2006 teilweise, allerdings nicht vollständig. An zehn Standorten wurden insgesamt 115 Messpunkte mit Dosimetern ausgestattet; am Ende der Messperiode waren 102 Dosimeter auswertbar. Die gemessenen Radonkonzentrationen in der Außenluft lagen zwischen 8 und 31 Bq/m³.
Das Strahlenschutzgespräch hat damit wieder einen guten Überblick über aktuelle Forschung, neue Erkenntnisse und praktische Fragen des Radonschutzes gegeben. Für uns als Verband bietet die Veranstaltung darüber hinaus eine wertvolle Möglichkeit, mit Fachkollegen und -kolleginnen im Gespräch zu bleiben und Entwicklungen frühzeitig aufzugreifen.
Autor: Andreas Schleidt-Schuller (AG Radon)

