Der Verband Baubiologie bei der 6. Fachtagung des Radon-Forums Baden-Württemberg

Am 7. und 8. Oktober 2026 fand im ATLANTIC Hotel Heidelberg die 6. Fachtagung des Radon-Forums Baden-Württemberg statt. Auch Mitglieder der Arbeitsgruppe Radon und Vorstandsmitglieder des Verband Baubiologie nahmen an der Veranstaltung teil. Außerdem war unser Verband auch mit einem Informationsstand in der begleitenden Ausstellung vertreten.

Das abwechslungsreiche Programm spannte einen Bogen von der wissenschaftlichen Erfassung des Radonpotenzials über rechtliche Entwicklungen bis hin zu konkreten Sanierungslösungen. Die Beiträge machten deutlich: Wirksamer Radonschutz erfordert fundierte Messungen, eine sorgfältige Analyse der Gebäude und Maßnahmen, die auf die jeweilige Situation abgestimmt sind.

Neue Radon-Prognosekarte für Baden-Württemberg
Jannick Strüven vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau stellte die Modellierung einer neuen Radon-Prognosekarte vor. Grundlage ist ein sogenanntes Random-Forest-Modell, das Radonbodenluftmessungen mit zahlreichen Umweltparametern verknüpft. Berücksichtigt werden unter anderem geologische Eigenschaften, Urangehalte, Bodenbeschaffenheit, Klima und Relief.

Radonmessprogramme für eine bessere Datengrundlage
Dr. Moritz Dechant vom baden-württembergischen Umweltministerium berichtete über die laufenden Bodenluft- und Innenraummessprogramme. Seit der Erstausweisung der Vorsorgegebiete wurde die Zahl der Bodenluftmessungen von 423 auf 866 erhöht. Besonders aufschlussreich waren die Ergebnisse des Innenraummessprogramms von 2025. Von 1.607 Teilnehmenden gingen 1.044 auswertbare Ergebnisse ein. Bei knapp 15 Prozent der untersuchten Gebäude wurde der Referenzwert von 300 Bq/m³ überschritten. In den Radonvorsorgegebieten lag der Anteil bei mehr als jedem dritten Gebäude. Im Keller traten Referenzwertüberschreitungen ungefähr doppelt so häufig auf wie im Erdgeschoss.

Rechtliche Änderungen im beruflichen Radonschutz
Karsten Schomburg vom Regierungspräsidium Freiburg erläuterte die Auswirkungen einer geplanten Änderung der Radondosiskonversion. Bei gleicher Radonkonzentration und gleicher Aufenthaltsdauer würde sich die berechnete effektive Dosis nach dem vorgestellten neuen Ansatz ungefähr verdoppeln. Besonders relevant ist dies für Beschäftigte in Anlagen der Wassergewinnung, Wasseraufbereitung und Wasserverteilung. Dr. Merlin Rossbach vom Bundesumweltministerium ging anschließend auf den Entwurf zur Neuregelung des beruflichen Radonschutzes ein. Im Mittelpunkt standen die neuen Radondosiskoeffizienten und die Frage, wie diese in das Strahlenschutzrecht integriert werden können. Vorgestellt wurden unterschiedliche Regelungsansätze sowie die Empfehlungen der Strahlenschutzkommission.

Radonschutz am Arbeitsplatz in der Praxis
Dr. Felice Friedrich-Kees vom Bundesamt für Strahlenschutz stellte die Aufgabenverteilung zwischen Bund, Ländern, Messstellen und den Verantwortlichen vor Ort dar. Der gesetzliche Radonschutz folgt einem Stufenkonzept: von der Erstmessung über die Reduzierung erhöhter Konzentrationen und die Expositionsabschätzung bis hin zu weiterführenden Maßnahmen des beruflichen Strahlenschutzes.

Vom WTA-Merkblatt zur konkreten Sanierung
Dipl.-Ing. Marc Ellinger stellte den Entwurf des WTA-Merkblatts E-6-23 „Radonbelastung im Gebäudebestand“ vor. Zu diesem Entwurf hat übrigens auch unsere Arbeitsgruppe Radon eine fachliche Stellungnahme abgegeben. Das Merkblatt soll Fachleuten eine praxisorientierte Grundlage für die Beurteilung und Sanierung bestehender Gebäude bieten. Es behandelt die gesundheitlichen und rechtlichen Grundlagen, die Radon- und Gebäudediagnostik sowie bauliche und lüftungstechnische Maßnahmen. Im Mittelpunkt steht die individuelle Betrachtung des Gebäudes: Vor einer Sanierung müssen Bauweise, Zustand, Nutzung, Radonbelastung und mögliche Eintrittswege sorgfältig erfasst werden.

Radonschutzmaßnahmen in Büro- und Industriegebäuden
Richard Zinken, Vorstandsmitglied des Verbands Baubiologie, übertrug die Grundsätze des WTA-Merkblatts auf die praktische Umsetzung von Radonschutzmaßnahmen in Büro- und Industriegebäuden.  Ein wesentlicher Eintrittsweg ist das konvektive Eindringen radonhaltiger Bodenluft aufgrund von Druckunterschieden. Daneben müssen weitere mögliche Quellen und Transportwege untersucht werden, beispielsweise Schächte, stillgelegte Kamine oder bestimmte Baumaterialien. Gerade bei erhöhten Konzentrationen in oberen Geschossen ist es wichtig, die Verteilung innerhalb des Gebäudes nachzuvollziehen. Aus der Diagnose ergeben sich unterschiedliche Lösungsansätze: Abdichtungen, Bodenluftabsaugung beziehungsweise die gezielte Beeinflussung von Druckverhältnissen sowie geeignete Lüftungsanlagen. Entscheidend ist, die Maßnahmen nicht pauschal auszuwählen, sondern auf die konkrete Gebäudesituation abzustimmen.

Ein Sanierungsbeispiel aus der Praxis
Wie sich die Empfehlungen konkret umsetzen lassen, zeigte Karin Leicht in ihrem Vortrag „Vom WTA-Merkblatt zur Maßnahme“. Anhand eines Wohngebäudes erläuterte sie den Weg von der Bestandsaufnahme über die Suche nach Radoneintrittspfaden bis zur Sanierungsentscheidung. Spezielle Sniffing-Messungen zur Lokalisierung möglicher Eintrittsstellen zeigten besonders auffällige Werte in zwei Heizungsschächten und einem Abwasserschacht. Boden- und Wandflächen waren dagegen unauffällig. Statt einer umfassenden Sanierung wurde deshalb zunächst die Abdichtung der drei auffälligen Schächte empfohlen.

Information und Aufklärung stärken
Zum Abschluss berichtete Philipp Geppert von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg über Erfolge und Herausforderungen der Radon-Beratungsstelle. Um unterschiedliche Bevölkerungsgruppen zu erreichen, setzt die Beratungsstelle auf verschiedene Formate: Webinare, Vorträge, Messestände, Informationsangebote vor Ort sowie Presse-, Radio- und Fernsehwerbung. Ein besonderes Beispiel war ein Informationsstand in Karlsruhe, an dem eine Nebelkammer eingesetzt wurde. Sie sollte Neugier wecken und die Risiken von Radon anschaulich vermitteln. Das Angebot wurde gut angenommen und führte zu zahlreichen Beratungsgesprächen. Für die Zukunft sind unter anderem eine Weiterentwicklung der Informationsangebote, eine zielgruppengerechte Ansprache und zusätzliche digitale Möglichkeiten vorgesehen.

Fachwissen vernetzen
Die Fachtagung zeigte eindrucksvoll, wie eng wissenschaftliche Datengrundlagen, rechtliche Rahmenbedingungen, Gebäudediagnostik und praktische Sanierung miteinander verbunden sind. Für den Verband Baubiologie war die Teilnahme eine wertvolle Gelegenheit, aktuelle Entwicklungen zu verfolgen, Erfahrungen auszutauschen und die Bedeutung eines ganzheitlichen Blicks auf Gebäude und Gesundheit zu unterstreichen.

 

Autor: Andreas Schleidt-Schuller (AG Radon)

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    Andreas Schleidt-Schuller

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